ChatGPT erklärt – aber überzeugt nicht: Warum Erklärvideos weiterhin entscheidend sind

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ChatGPT beantwortet heute in Sekunden, wofür man vor drei Jahren noch eine halbe Stunde Recherche brauchte. Es fasst zusammen, strukturiert, formuliert um – und das auf einem Niveau, das selbst Fachleute gelegentlich ins Staunen versetzt. Kein Wunder also, dass in Marketingabteilungen und Geschäftsführungsetagen eine Frage aufkommt, die auf den ersten Blick völlig berechtigt klingt: Wenn KI erklären kann, wozu brauchen wir dann noch Erklärvideos? Im Zusammenhang mit diesen Überlegungen wird immer häufiger nach einem KI generierten Erklävideo gefragt.

Die Antwort ist so simpel wie sie fundamental ist: Weil Erklären und Überzeugen zwei grundverschiedene Dinge sind. Und weil die Fähigkeit, Informationen korrekt wiederzugeben, noch nie ausgereicht hat, um Menschen zu Entscheidungen zu bewegen. Schon gar nicht im unternehmerischen Kontext, wo Budgets freigegeben, Strategien abgesegnet und Investitionen verantwortet werden müssen.

Warum Information allein keine Entscheidungen erzeugt

Textbasierte KI funktioniert reaktiv – sie liefert Antworten, wenn Fragen gestellt werden. Strategische Unternehmenskommunikation hingegen funktioniert proaktiv. Sie wartet nicht darauf, dass jemand die richtige Frage stellt, sondern sie nimmt Zielgruppen an die Hand, setzt Schwerpunkte und lenkt Aufmerksamkeit gezielt auf das Wesentliche. Der Unterschied klingt subtil, ist aber in der Praxis enorm.

Stellen wir uns einen typischen Entscheider vor, der mithilfe von ChatGPT versteht, was eine bestimmte Technologie tut oder wie ein neuer Prozess funktioniert. Versteht er dadurch auch, warum diese Technologie für sein Unternehmen relevant ist? Erkennt er die strategischen Implikationen? Entwickelt er Vertrauen in die Lösung? In den allermeisten Fällen nicht – denn dafür bräuchte er nicht bloß Fakten, sondern Kontext, Gewichtung und eine geführte Argumentation. Genau das leisten professionell konzipierte Erklärvideos: Sie übersetzen Wissen in Verständnis und Verständnis in Handlungsbereitschaft.

Was die Kognitionsforschung über Video-Kommunikation weiß

Die Überlegenheit audiovisueller Formate gegenüber reinem Text ist kein Marketing-Mantra, sondern gut dokumentierte Wissenschaft. Richard E. Mayer, einer der einflussreichsten Forscher im Bereich multimedialen Lernens, hat mit seiner Cognitive Theory of Multimedia Learning gezeigt, dass Menschen nachweislich besser lernen und Informationen tiefer verarbeiten, wenn verbale und visuelle Kanäle gleichzeitig angesprochen werden (Mayer, R.E.: Multimedia Learning, Cambridge University Press). Die Theorie basiert auf der sogenannten Dual-Channel-Annahme: Unser Arbeitsgedächtnis verfügt über zwei getrennte, aber miteinander verknüpfte Verarbeitungskanäle – einen visuellen und einen auditiven. Wenn beide gleichzeitig aktiviert werden, entsteht ein tieferes, vernetztes Verständnis, das weit über das hinausgeht, was ein einzelner Kanal leisten kann.

Für die Unternehmenskommunikation bedeutet das konkret: Ein Erklärvideo, das einen komplexen Prozess visuell zeigt und gleichzeitig sprachlich einordnet, erzeugt eine völlig andere kognitive Wirkung als ein noch so gut formulierter ChatGPT-Text. Das Gehirn muss bei reinem Text alle visuellen Vorstellungen selbst konstruieren – Abläufe imaginieren, Zusammenhänge rekonstruieren, Ursache-Wirkung-Ketten im Kopf zusammensetzen. Dieser mentale Aufwand ist hoch und wird unter Zeitdruck häufig vermieden. Genau hier setzt das Erklärvideo an: Es übernimmt diese kognitive Arbeit, indem es Zusammenhänge explizit zeigt, Interpretationsspielräume reduziert und Komplexität in eine nachvollziehbare Reihenfolge bringt. Das ist kein ästhetischer Luxus – es ist ein funktionaler Vorteil, der messbar zu besserem Verständnis und schnelleren Entscheidungen führt.

Dramaturgie schlägt Richtigkeit: Warum Geschichten überzeugen

Hier liegt einer der am häufigsten übersehenen Unterschiede zwischen KI-generiertem Text und einem durchdachten Erklärvideo. ChatGPT liefert korrekte Antworten – aber es erzählt keine Geschichte. Es ordnet Informationen nebeneinander an, nicht in eine dramaturgische Beziehung zueinander. Für eine schnelle Faktenrecherche ist das perfekt. Für strategische Kommunikation, die Akzeptanz und Vertrauen erzeugen soll, reicht es bei weitem nicht.

Die Psychologen Melanie C. Green und Timothy C. Brock haben in ihrer wegweisenden Forschung zur Narrative Transportation Theory nachgewiesen, dass Menschen, die in eine Geschichte „hineingezogen" werden, ihre Überzeugungen signifikant stärker an die Botschaft der Erzählung anpassen (Green, M.C. & Brock, T.C.: The Role of Transportation in the Persuasiveness of Public Narratives, Journal of Personality and Social Psychology, 2000). Dieser Effekt – die sogenannte narrative Transportation – geht mit reduziertem Gegenargumentieren einher: Wer emotional und kognitiv in eine Geschichte eintaucht, hinterfragt weniger und nimmt mehr auf.

Professionelle Erklärvideos nutzen genau diesen Mechanismus. Sie beginnen bei einem bekannten Problem, führen durch eine nachvollziehbare Logik und enden bei einer Lösung. Diese narrative Struktur ist kein ästhetisches Beiwerk, sondern der entscheidende Hebel, um Aufmerksamkeit zu binden und Inhalte im Gedächtnis zu verankern. ChatGPT kann Fakten auflisten – aber es kann kein Publikum auf eine Reise mitnehmen.

Visuelles Vertrauen: Warum Sichtbarkeit Sicherheit schafft

Vertrauen ist keine rationale Entscheidung, sondern ein Gefühl von Kontrolle und Durchblick. Besonders bei neuen Technologien, komplexen Dienstleistungen oder erklärungsbedürftigen Innovationen entsteht Vertrauen dann, wenn Abläufe transparent werden – wenn Menschen sehen können, wie etwas funktioniert, statt es nur beschrieben zu bekommen.

Eine Studie an der Beijing Normal University, publiziert im Journal Frontiers in Behavioral Neuroscience, untersuchte die Unterschiede in der kognitiven Verarbeitung zwischen Video- und Textformaten im Kontext persuasiver Kommunikation. Die Ergebnisse zeigten, dass videobasierte Inhalte über den visuellen und auditiven Kanal eine multimodale Erfahrung erzeugen, die menschliche Neigungen zum visuellen Lernen und die emotionale Resonanz auditiver Reize gezielt nutzt (Frontiers: Unveiling the influence of persuasion strategies on cognitive engagement, 2024).

Übersetzt in die Praxis: ChatGPT kann einem Entscheider erklären, dass ein System sicher, effizient oder nachhaltig ist. Ein Erklärvideo kann ihm zeigen, warum das so ist – Schritt für Schritt, visuell nachvollziehbar und emotional zugänglich. Diese visuelle Evidenz ist der Unterschied zwischen „Das klingt plausibel" und „Das verstehe ich und dem vertraue ich". Gerade bei der Ansprache spezifischer Zielgruppen ist diese Transparenz entscheidend, um Skepsis abzubauen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen.

Konsistenz als strategischer Vorteil

Ein Aspekt, der in der Debatte um KI versus Video erstaunlich selten auftaucht, ist die Frage der Markenkonsistenz. ChatGPT erklärt individuell – abhängig von Prompt, Kontext und Formulierung. Jede Anfrage erzeugt eine leicht andere Darstellung desselben Sachverhalts. Für persönliche Recherche ist das ein Feature. Für Unternehmenskommunikation ist es ein Risiko.

Marken, Produkte und Strategien müssen konsistent kommuniziert werden – intern wie extern. Ein Erklärvideo schafft eine feste visuelle und inhaltliche Referenz. Alle Zielgruppen sehen dieselbe Argumentation, dieselben Abläufe, dieselben Prioritäten. Ob der Vertriebsmitarbeiter in München, der Investor in London oder der neue Mitarbeiter im Onboarding – alle erhalten dasselbe Bild. Das reduziert Missverständnisse, verhindert widersprüchliche Interpretationen und stärkt die Wahrnehmung von Professionalität. In Organisationen mit vielen Schnittstellen, dezentralen Teams und komplexen Stakeholder-Strukturen wird das Video damit zum gemeinsamen Verständnisanker – ein Kommunikationsinstrument, das unabhängig von Tagesform, Gesprächspartner oder Kontext die gleiche Qualität liefert.

Forschung zur Wirkung visueller Kommunikation unterstreicht diesen Punkt eindrücklich. Bünzli und Dillard zeigten in einer experimentellen Studie, dass Rezipienten interpretatorische Führung – also die klare Verknüpfung von Bild und Bedeutung – nicht nur bevorzugen, sondern dass diese Führung direkt die Überzeugungswirkung erhöht (Bünzli, F. & Dillard, J.P.: The persuasive effects of verbal anchoring and visual complexity, Journal of Visual Literacy, 2022). Menschen wollen geführt werden – nicht mit Informationen allein gelassen.

Der ROI-Faktor: Warum sich Video langfristig rechnet

Neben der kommunikativen Wirkung gibt es ein handfestes betriebswirtschaftliches Argument, das gegen die reine Verlagerung auf textbasierte KI spricht. Ein professionelles Erklärvideo ist kein Einmaleffekt, sondern ein skalierbarer Content-Baustein. Es funktioniert auf der Website, in Social Media, auf Messen, im Vertriebsgespräch, im internen Onboarding und in Investorenpräsentationen – ohne dass sich die Kernbotschaft verändert oder verwässert.

Wie eine PNAS-Studie zur Überzeugungskraft von Video gegenüber Text feststellt, spielt die Modalität der Kommunikation eine nachweisbare Rolle dafür, wie glaubwürdig Informationen wahrgenommen werden. Die Forscher argumentieren, dass die kognitive Verarbeitungsflüssigkeit visueller Formate deren wahrgenommene Wahrhaftigkeit steigert (Wittenberg, C. et al.: The (minimal) persuasive advantage of political video over text, PNAS, 2021). Was leichter verarbeitet wird, wird als wahrhaftiger empfunden – ein Effekt, den reine Textformate schlicht nicht in gleicher Weise erzielen.

Wer den Return on Investment von Erklärvideos realistisch betrachtet, erkennt schnell: Die einmalige Investition in ein durchdachtes Video amortisiert sich über Monate und Jahre hinweg, während jeder KI-generierte Text ein neues, isoliertes Informationsstück bleibt, das weder Wiedererkennungswert noch emotionale Bindungskraft besitzt. Ein 90-Sekunden-Erklärvideo kann tausende Gespräche ersetzen oder gezielter vorbereiten – im Vertrieb, im Support, im Onboarding. Es entlastet Teams, beschleunigt Prozesse und schafft eine Kommunikationsqualität, die sich nicht durch die Menge an KI-generierten Texten kompensieren lässt. Entscheidend ist dabei nicht die Frage, was ein professionelles Erklärvideo kostet, sondern welchen Wert es über seine gesamte Nutzungsdauer hinweg erzeugt.

KI und Video: Kein Gegeneinander, sondern ein kluges Zusammenspiel

Die Frage war nie, ob KI oder Erklärvideo – die Frage ist, wofür welches Werkzeug das richtige ist. ChatGPT ist brillant darin, Wissen zugänglich zu machen, Recherchen zu beschleunigen und Textarbeit zu automatisieren. Aber es kann keine Markenidentität transportieren, keine Emotionen erzeugen und keine geführte Überzeugungsarbeit leisten.

Erklärvideos wiederum sind keine Antwort auf jede Kommunikationsaufgabe. Nicht jede interne E-Mail braucht ein animiertes Storyboard. Aber überall dort, wo es darauf ankommt – wo komplexe Inhalte verstanden, Vertrauen aufgebaut und Entscheidungen herbeigeführt werden sollen – spielen sie ihre Stärken aus, die textbasierte KI allein nicht replizieren kann.

In einer Welt, in der Information im Überfluss vorhanden ist, wird die Art der Vermittlung zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Wer nur erklärt, informiert. Wer führt, strukturiert und sichtbar macht, überzeugt. Unternehmen verlieren heute nicht mehr, weil sie zu wenig Informationen haben – sie verlieren, weil ihre Informationen nicht wirken. ChatGPT hat die Schwelle für Wissenszugang dramatisch gesenkt. Aber die Schwelle für echte Überzeugung, für Vertrauen und für fundierte Entscheidungen bleibt unverändert hoch. Und genau darin liegt die Zukunft professioneller Erklärvideos – nicht als Gegenmodell zur KI, sondern als strategische Antwort auf die wachsende Komplexität einer Welt, in der alles erklärbar ist, aber längst nicht alles verstanden wird.

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