Spatial Computing & Vision Pro: Wie Motion Design die Grenzen des Bildschirms sprengen wird

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Seit Jahrzehnten ist unsere digitale Welt in leuchtenden Rechtecken gefangen. Ob Desktop-Monitor, Laptop, Tablet oder Smartphone – wir haben gelernt, durch Tippen, Klicken und Wischen mit flachen Oberflächen zu interagieren. Diese Ära geht nun zu Ende. Mit dem Aufkommen von „Spatial Computing“, angeführt von wegweisenden Geräten wie der Apple Vision Pro, stehen wir an der Schwelle zur nächsten großen Computer-Revolution.

Digitale Inhalte verlassen die Grenzen des Bildschirms und verschmelzen mit unserem realen Raum. Fenster schweben im Wohnzimmer, 3D-Modelle stehen auf dem Schreibtisch und Informationen werden dort angezeigt, wo wir sie brauchen. Doch diese neue, unendliche digitale Leinwand bringt eine gewaltige Herausforderung mit sich: Wie führen wir den Nutzer durch eine Welt ohne Kanten, ohne Rahmen, ohne Anfang und Ende?

Die Antwort ist so alt wie das Geschichtenerzählen selbst, aber ihre Anwendung ist radikal neu: Motion Design. Und genauer gesagt, die Prinzipien, die wir seit Jahren bei der Erstellung von Erklärvideos perfektioniert haben. Denn wenn der Raum selbst zur Benutzeroberfläche wird, ist die Fähigkeit, Komplexität in eine klare, visuelle Geschichte zu übersetzen, nicht mehr nur nützlich – sie ist überlebenswichtig.

Die alte Welt: Motion Design auf der flachen Ebene

Bisher diente Motion Design auf Bildschirmen vor allem dazu, Übergänge zu verschönern, die Aufmerksamkeit auf Schaltflächen zu lenken oder Hierarchien zu verdeutlichen. Eine App zoomt ins Bild, eine Liste scrollt sanft, ein Button pulsiert. Diese Animationen finden in einer kontrollierten, zweidimensionalen Umgebung statt. Sie sind wichtig, aber sie operieren innerhalb klar definierter Grenzen.

Im Spatial Computing existieren diese Grenzen nicht mehr. Die Z-Achse – die Tiefe – wird zur wichtigsten Dimension. Ein Nutzer kann sich frei um digitale Objekte herumbewegen. Informationen können vor, neben oder hinter ihm erscheinen. Das birgt ein enormes Potenzial für immersive Erlebnisse, aber auch die Gefahr der totalen Desorientierung und Überforderung.

Die neue Herausforderung: Regie führen im unendlichen Raum

Wie machen wir dem Nutzer verständlich, dass eine Benachrichtigung hinter ihm erschienen ist? Wie leiten wir seinen Blick sanft von einem schwebenden Fenster zu einem interaktiven 3D-Objekt auf dem Boden? Wie erklären wir ihm eine komplexe, mehrstufige Interaktion in einem Raum, in dem es Dutzende von potenziellen Ablenkungen gibt?

Plötzlich wird jeder Motion Designer zum Regisseur im dreidimensionalen Raum. Und die bewährten Werkzeuge aus dem Werkzeugkasten des Erklärvideos werden zur Grundlage für gutes räumliches Design:

1. Narrative Führung statt starrer UI

Ein gutes Erklärvideo nimmt den Zuschauer an die Hand. Es beginnt mit einer bekannten Situation, führt ein neues Konzept ein und leitet den Nutzer Schritt für Schritt zu einem klaren Verständnis. Genau diese narrative Führung wird im Spatial Computing entscheidend. Anstatt dem Nutzer einfach nur ein Dutzend Fenster in den Raum zu werfen, muss die Animation eine Geschichte erzählen. Ein neues Element sollte nicht einfach „erscheinen“, sondern sich aus einem logischen Ursprungspunkt entwickeln, den Blick des Nutzers durch eine sanfte Bewegung auf sich ziehen und ihm durch seine Materialität und sein Verhalten vermitteln, was es ist und was es kann.

2. Komplexität durch visuelle Sequenzen reduzieren

Erklärvideos sind Meister darin, komplexe Prozesse in leicht verdauliche, visuelle Häppchen zu zerlegen. Diese Fähigkeit ist für Spatial Computing von unschätzbarem Wert. Stellen Sie sich vor, Sie lernen, ein neues, komplexes Gerät zu bedienen. Anstatt eine flache Anleitung zu lesen, könnte eine räumliche Anwendung das reale Gerät mit einer animierten 3D-Überlagerung versehen. Sanft leuchtende Linien und sich nacheinander entfaltende Beschriftungen führen Ihren Blick und Ihre Hände durch den Prozess. Jeder Schritt wird erst dann animiert enthüllt, wenn der vorherige abgeschlossen ist. Das ist kein Interface mehr, das ist ein persönlicher, visueller Tutor.

3. Fokus und Hierarchie durch Bewegung und Tiefe

In einer unendlichen Leinwand ist die wichtigste Frage: „Wo soll ich hinschauen?“ Apple löst dies in visionOS bereits meisterhaft, indem Elemente im peripheren Sichtfeld sanft abgedunkelt werden. Motion Design wird diese Aufgabe auf die nächste Stufe heben. Durch subtile Animationen in der Tiefe, sanftes Pulsieren oder audivisuelles Feedback kann die Aufmerksamkeit des Nutzers elegant durch den Raum gelenkt werden. Ein Objekt, das Interaktion erfordert, könnte sich dem Nutzer leicht entgegenbewegen, während unwichtigere Informationen sanft in den Hintergrund gleiten. Die Animation schafft eine klare visuelle Hierarchie, die dem Nutzer Sicherheit und Orientierung gibt.

Die Ära des Spatial Computing wird nicht von denen gestaltet, die die schrillsten 3D-Effekte erzeugen können. Sie wird von denen gestaltet, die am besten verstehen, wie man Menschen durch komplexe Informationen führt.

Die Kernkompetenzen, die für die Erstellung eines erstklassigen Erklärvideos erforderlich sind – didaktisches Denken, visuelles Storytelling, Reduktion von Komplexität und eine zutiefst nutzerzentrierte Herangehensweise – sind exakt die Fähigkeiten, die für die Gestaltung intuitiver und nützlicher räumlicher Erlebnisse benötigt werden.

Als Motion Designer und Storyteller stehen wir an einem unglaublich spannenden Punkt. Unsere Leinwand ist nicht mehr der 16:9-Rahmen, sondern die Welt selbst. Unsere Aufgabe ist es, diese neue Welt verständlich, zugänglich und menschlich zu machen. Unternehmen, die den Sprung ins Spatial Computing wagen wollen, brauchen daher mehr als nur 3D-Modellierer. Sie brauchen visuelle Erklärer und Regisseure, die wissen, wie man im Raum eine Geschichte erzählt.

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